Patrice Éméry Lumumba in Berlin: Raub, Ignoranz und Konflikte

Januar

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Am 17. Januar 1961 wurde Patrice Éméry Lumumba, der erste demokratisch gewählte Premierminister der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), ermordet – nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit seines Landes. Sein Tod markiert nicht nur eine historische Tragödie, sondern auch den Beginn eines langen Musters aus externer Einflussnahme, Rohstoffausbeutung und andauernden Konflikten im Kongo.

Lumumba steht bis heute für den unbeirrbaren Wunsch nach politischer Selbstbestimmung, sozialer Gerechtigkeit und afrikanischer Solidarität – seine Vision ist nicht verwelkt, sondern lebendig in den Kämpfen für Souveränität und Gerechtigkeit.


1. Wer war Patrice Lumumba und was hat er vertreten?

Patrice Lumumba wurde 1925 im belgisch-kolonialisierten Kongo geboren und war einer der führenden Köpfe des Mouvement National Congolais (MNC), der ersten landesweit organisierten politischen Partei des Landes.

Nach jahrzehntelanger kolonialer Herrschaft erlangte der Kongo im Sommer 1960 seine Unabhängigkeit von Belgien – und Lumumba wurde Premierminister. Doch sein Streben nach wirklicher Unabhängigkeit und sozialer Gerechtigkeit brachte ihn bald in direkte Konfrontation mit mächtigen Interessen aus dem Westen.

Seine politischen Gegner nutzten die internen Spannungen, und schon wenige Monate nach dem Unabhängigkeitsdatum wurde er von rivalisierenden Kräften und ausländischen Mächten abgesetzt und inhaftiert. Am 17. Januar 1961 wurde er zusammen mit zwei engen Mitstreitern von einer bewaffneten Einheit in die Katanga-Provinz gebracht und dort auf Befehl mit Unterstützung belgischer Akteure hingerichtet. Seine Leiche wurde zerstört, um jeden Ort des Gedenkens zu verhindern.

Lumumba wurde nur 35 Jahre alt, doch sein Vermächtnis lebt weiter – als Symbol der antikolonialen Befreiungsbewegung und als Mahnung gegen äußere Interventionen und Ausbeutung.


2. Orte der Erinnerung und politische Bedeutung heute

Im Rahmen einer Stadttour durch Berlin haben wir uns mit diesem Erbe auseinandergesetzt — und mit den Orten, die zeigen, wie eng koloniale Vergangenheit und heutige politische Machtstrukturen zusammenhängen.

I. Patrice Éméry Lumumba Statue

Diese Statue steht für unser gemeinsames Verantwortungsgefühl, Lumumbas Vermächtnis weiterzutragen. Sein Einsatz für politische Selbstbestimmung, soziale Gerechtigkeit und afrikanische Solidarität sollte uns heute Ansporn sein, politische Kämpfe nicht nur zu erinnern, sondern aktiv zu unterstützen.

👉 Lumumba zu ehren heißt, seinen Kampf für Souveränität zu ehren.

Statue von Patrice Éméry Lumumba von Blumen umgeben. Eine Person hält ein Papier mit einem Spruch neben seinem Kopf.
Statue von Patrice Éméry Lumumba von Blumen umgeben. Eine Person hält ein Papier mit einem Spruch neben seinem Kopf.

II. Brandenburger Tor – Berliner Konferenz 1884/85

Das berühmte Wahrzeichen steht symbolisch für die Berliner Konferenz von 1884/85, auf der europäische Mächte die Aufteilung Afrikas beschlossen – darunter auch die Gebiete des heutigen Kongo. Die dort gezogenen Grenzen und die koloniale Ordnung prägten politische und wirtschaftliche Strukturen bis heute.

➡️ Folge: Die künstlichen Grenzen und wirtschaftlichen Interessen externer Mächte trugen wesentlich zu langanhaltenden Konflikten und Destabilisierung in vielen afrikanischen Ländern bei.

👉 Hände weg vom Kongo!

Ein Banner vor dem Brandenburger Tor, gehalten von zwei Menschen, mit der Aufschrift "Hands off Congo".
Ein Banner vor dem Brandenburger Tor, gehalten von zwei Menschen, mit der Aufschrift „Hands off Congo“.

III. Europäische Union – Ignorierte Verantwortung?

Die EU hat über Jahrzehnte hinweg Konflikte im Kongo weitgehend ignoriert, obwohl sie wirtschaftlich vom status quo profitiert. In Regionen reich an Rohstoffen wie Coltan, Kupfer oder Gold sind internationale Konzerne tief verstrickt — oft mit Wissen oder indirekter Zustimmung europäischer Staaten.

➡️ Die EU könnte ihren Einfluss nutzen, um echte Unabhängigkeit, faire Handelsbeziehungen und Wiedergutmachung zu unterstützen — statt koloniale Muster zu reproduzieren.

👉 Der Kongo ist ein souveräner Staat!

Zwei Personen halten ein Transparent mit der Aufschrift "Stop Neocolonial Extractivism" vor einem Gebäude mit der Aufschrift "Europäisches Parlament".
Zwei Personen halten ein Transparent mit der Aufschrift „Stop Neocolonial Extractivism“ vor einem Gebäude mit der Aufschrift „Europäisches Parlament“.

IV. Botschaft Ruanda – Konflikte im Osten des Kongo

Im Osten der DR Kongo toben seit Jahrzehnten bewaffnete Konflikte, in die auch Ruanda verstrickt ist. Wiederholt wurden Milizen und Interessen dokumentiert, die von Ressourcen profitieren und Gewalt aufrechterhalten — zu Lasten der lokalen Bevölkerung. Viele Analysen sprechen von Stellvertreterrollen externer Akteure innerhalb des Konflikts.

👉 Hört auf, kongolesische Ressourcen zu plündern!

Eine Person hält ein Plakat vor der Ruandischen Botschaft mit der Aufschrift "Congo is an indepentent and sovereign state".
Eine Person hält ein Plakat vor der Ruandischen Botschaft mit der Aufschrift „Congo is an indepentent and sovereign state“.

V. Botschaft Belgiens – Koloniales Erbe und Verantwortung

Belgien steht stellvertretend für eine brutale koloniale Herrschaft, in deren Folge Millionen Menschen im Kongo starben oder leiden mussten. Zwischen 1885 und 1908 – in der Zeit des Privatstaats des Königs Leopold II. – verloren Schätzungen zufolge zehn Millionen Menschen ihr Leben durch Gewalt, Krankheiten und Zwangsarbeit.

Auch die spätere Ermordung Lumumbas steht in direktem Zusammenhang mit belgischer Einflussnahme. Immer mehr Stimmen fordern heute die Anerkennung dieser Verantwortung.

👉 Belgien muss seine Verantwortung für den Mord an Lumumba anerkennen!

Zwei Personen halten Poster vor der belgischen Botschaft.
Zwei Personen halten Poster vor der belgischen Botschaft.

VI. Auswärtiges Amt – Nichtstun ist Machtpolitik

Auch wenn staatliche Akteure wie das deutsche Auswärtige Amt öffentlich Neutralität betonen, kommt politische Nichtunterstützung faktisch oft jenen zugute, die den Konflikt am Laufen halten oder von Rohstoffexporten profitieren.

👉 Faire Wirtschaftsabkommen zwischen dem Kongo und dem Westen jetzt!

Ein Banner mit der Aufschrift "Free Congo" wird vor dem auswärtigen Amt ausgebreitet.
Ein Banner mit der Aufschrift „Free Congo“ wird vor dem auswärtigen Amt ausgebreitet.

VII. Humboldt Forum – Koloniale Sammlungen und Raubkunst

Das Humboldt Forum zeigt eindrücklich, wie wenig Deutschland seine koloniale Vergangenheit aufgearbeitet hat. Viele Objekte in seinen Sammlungen stammen aus kolonialer Plünderung — darunter Kulturgüter aus Afrika, die bis heute nicht zurückgegeben wurden.

👉 Gebt gestohlenes Eigentum zurück!

Eine Person hält ein Poster vor dem Humboldt Forum hoch mit der Aufschrift "give back stolen artefacts and property".
Eine Person hält ein Poster vor dem Humboldt Forum hoch mit der Aufschrift „give back stolen artefacts and property“.

VIII. Apple & Globaler Kapitalismus

Konzerne wie Apple stehen symbolisch für einen globalen Kapitalismus, der Ressourcen in Rohstoff-reichen Regionen ausbeutet und Gewinne in den Industrienationen anhäuft. Diese Dynamik ist eine moderne Fortsetzung kolonialer Machtstrukturen: Rohstoffe werden exportiert, der Großteil der Wertschöpfung fließt ab.

👉 Korruption und wirtschaftliche Plünderung beenden!

Ein Transparent mit der Aufschrift "Apple complice du genocide" vor einem Apple Geschäft.
Ein Transparent mit der Aufschrift „Apple complice du genocide“ vor einem Apple Geschäft.

3. Forderungen – Für ein gerechtes und souveränes Afrika

Wir unterstützen die Forderungen, die im Zentrum der Kämpfe vieler kongolesischer und panafrikanischer Aktivist*innen stehen:

  • Echte politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit
  • Menschenwürde für alle
  • Kontrolle über die eigenen Rohstoffe
  • Ein Ende kolonialer Ausbeutung

Diese Ziele sind keine Visionen von gestern. Sie sind lebendige Forderungen, die heute genauso relevant sind wie vor 65 Jahren im Kampf Lumumbas.


4. Wissen, Diskutieren, Handeln

Neben Patrice Lumumba gibt es viele weitere Persönlichkeiten, deren Geschichten uns helfen, koloniale Unterdrückung und ihre Wirkungen zu verstehen — von Thomas Sankara bis Wangari Maathai, von Ken Saro-Wiwa bis Miria R. K. Matembe.

Informiert euch, nehmt Geschichte ernst, diskutiert mit eurem Umfeld und geht den ersten Schritt der Veränderung. Denn nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen – und die Zukunft verändern.

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