Patrice Lumumba war der erste demokratisch gewählte Premierminister des Kongo – und wurde ermordet, weil er echte Unabhängigkeit forderte. Dieser Artikel zeigt, wie koloniale Gewalt bis heute fortwirkt und warum der Konflikt im Osten der DR Kongo kein Zufall ist.
Ein Moment der Hoffnung
Am 30. Juni 1960 feiert der Kongo seine Unabhängigkeit von Belgien. In der Hauptstadt Léopoldville (heute Kinshasa) steht Patrice Lumumba am Rednerpult. Er ist der erste demokratisch gewählte Premierminister des Landes.
In seiner Rede spricht er nicht von Dankbarkeit gegenüber der Kolonialmacht. Er spricht von Gewalt, von Demütigung und von einem langen Kampf um Würde. Für viele Menschen im Kongo ist diese Rede ein Moment der Hoffnung: Endlich spricht jemand offen aus, was Kolonialherrschaft wirklich bedeutete.
Für andere – vor allem in Europa und den USA – ist diese Rede eine Provokation.
Die DR Kongo unter belgischer Kolonialherrschaft
Die belgische Herrschaft im Kongo gehört zu den brutalsten Kapiteln der europäischen Kolonialgeschichte. Besonders unter König Leopold II. wurde das Land wie ein Privatbesitz behandelt.
Große Teile der Bevölkerung wurden durch Zwangsarbeit, Gewalt und systematische Unterdrückung ausgebeutet. Menschen mussten Kautschuk, Palmöl, Elfenbein und später Mineralien abbauen – oft unter lebensgefährlichen Bedingungen. Wer sich widersetzte, wurde bestraft. Viele Menschen starben.
Der wirtschaftliche Gewinn aus dieser Ausbeutung kam vor allem belgischen Unternehmen und dem belgischen Staat zugute. Die kongolesische Bevölkerung profitierte kaum. Diese extreme Ungleichheit prägt das Land bis heute.

Patrice Lumumba und die Frage echter Unabhängigkeit
Patrice Lumumba wollte mehr als eine formale Unabhängigkeit. Für ihn bedeutete Freiheit:
- politische Selbstbestimmung
- wirtschaftliche Unabhängigkeit
- Kontrolle über die eigenen Rohstoffe
Er setzte sich für einen geeinten Kongo ein, der nicht weiter von ausländischen Interessen gesteuert wird. Genau das machte ihn gefährlich. In einer Zeit des Kalten Krieges galt Lumumba im Westen als unberechenbar – nicht, weil er extrem war, sondern weil er unabhängig handeln wollte.
Warum Lumumba ermordet wurde
Nur wenige Monate nach der Unabhängigkeit wurde Lumumba entmachtet, verhaftet und am 17. Januar 1961 ermordet.
Heute ist gut dokumentiert:
Belgien war direkt an seiner Ermordung beteiligt. Die USA unterstützten seine Gegner politisch und geheimdienstlich. Lumumbas Tod war kein tragischer Zufall, sondern Teil eines größeren Musters.
Überall dort, wo afrikanische Führungspersönlichkeiten echte wirtschaftliche Unabhängigkeit forderten, wurden sie bekämpft – oft durch Putsche, Sanktionen oder Gewalt. Lumumba war eines der frühesten Beispiele dafür.
Neokolonialismus: Wenn Kolonialismus nicht endet
Auch nach dem Ende der formalen Kolonialherrschaft blieben viele Machtverhältnisse bestehen. Dieser Zustand wird oft als Neokolonialismus bezeichnet.
Das bedeutet:
- Länder sind offiziell unabhängig
- bleiben aber wirtschaftlich, politisch oder militärisch abhängig
Im Kongo zeigt sich das besonders deutlich.

Der Osten der DR Kongo und globale Interessen
Der anhaltende Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist kein „uralter ethnischer Konflikt“. Er steht in engem Zusammenhang mit:
- wertvollen Rohstoffen wie Coltan, Gold und Zinn
- internationaler Nachfrage (z. B. für Elektronik)
- bewaffneten Gruppen, die von diesen Ressourcen profitieren
Verschiedene Staaten, Unternehmen und politische Akteure sind direkt oder indirekt in diesen Konflikt verwickelt. Der Krieg funktioniert in Teilen wie ein Stellvertreterkrieg, bei dem lokale Gewalt mit globalen Interessen verknüpft ist.
Das ist eine koloniale Kontinuität: Die Ressourcen des Landes sind wichtiger als die Sicherheit der Menschen, die dort leben.
Warum Lumumbas Geschichte heute noch zählt
Lumumbas Geschichte steht stellvertretend für viele andere:
- Thomas Sankara in Burkina Faso
- Ken Saro-Wiwa in Nigeria
- zahlreiche Aktivist:innen, deren Namen weniger bekannt sind
Sie alle stellten die gleichen Fragen:
Wer kontrolliert die Ressourcen?
Wer profitiert von Ausbeutung?
Und wer trägt die Kosten?
Diese Fragen sind bis heute aktuell.
Weitere Informationen auf Englisch zu PatriceLumumba.

Was Solidarität heute bedeuten kann
Geschichte lässt sich nicht ändern – aber Verantwortung kann übernommen werden.
Konkrete Schritte:
- 📚 Sich informieren über Kolonialgeschichte und ihre Folgen
- 📢 Wissen teilen und vereinfachen, ohne zu verzerren
- 🤝 Organisationen unterstützen, die lokale Initiativen stärken
Solidarität bedeutet nicht, für andere zu sprechen – sondern ihnen zuzuhören und ihre Arbeit zu unterstützen.
